Anfang August gab es bei den Wirten in Weinzierlein besonders viel zu tun. Sowohl bei der Familie Eckert, als auch beim Gasthaus Schwarzbeck herrschte Hektik, wenn die Kirchweih kam. In der Zirndorfer „Allgemeinen Rundschau“ konnte man am Frei­tag, den 5. August 1932 folgende Anzeige lesen: „Sonntag, den 7. und Montag, den 8. August findet unsere Kirchweih mit öffentlicher Tanzmusik statt. Für ff. Speisen und Getränke ist bestens Sorge getragen. Freundlichst laden ein Hans Eckert und Frau. Freitag Metzelsuppe.“

Dass am Freitag vor der Kirchweih geschlachtet wurde, war längst üblich. Es gab dann nicht nur Metzelsuppe, sondern auch eine reichhaltige Schlachtschüssel. Die Kirchweih selbst begann in den dreißiger Jahren nicht am Samstag, sondern erst am Sonntag. Der Kirchweihbaum wurde am Sonntagnachmittag aufgestellt, nachdem er mit einem Pferdegespann und mit Musikbegleitung vom Roßtaler Gebiet geholt wor­den war. Die gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Verbindungen waren damals nach Roßtal wesentlich enger als zur Stadt Zirndorf. Die Gemeinde Weinzier­lein umfaßte bis 1978 auch die Orte Buttendorf, Neuses, Stöckach und die Weiler Herboldshof und Kernmühle.

Zum Start der Kirchweih mußte von den Burschen das berühmte Faß ausgegraben werden. Es war meist bei einer Furt an der Bibert versteckt. Die Mühe wurde mit einem gehörigen Quantum Bier belohnt. Später gab es auch eine Runde selbsge­brannten Schnaps.

Viele Leute haben die Weinzierleiner Kärwa vor allem wegen der Tanzveranstal­tungen besucht. Am Sonntag und Montag wurde im Saal von Hans Eckert das Tanz­bein geschwungen. Zum Abkühlen konnte man draußen Karussell fahren, wobei an­fangs zum Schieben noch kräftige Burschen benötigt wurden. Diese konnten dabei auch ihre hitzigen Gemüte beruhigen und damit eine Rauferei verhindern.

Einen typischen Frühschoppen gab es in Weinzierlein am Kirchweih-Montag nicht. Man traf sich allenfalls zu einer Kartelpartie. Die Kinder konnten sich von ihrem Kärwageld nicht nur Karussellfahrten, sondern auch Süßigkeiten aus dem Spe­zereiladen leisten.

Nach dem Krieg wurde die Kirchweihtradition zunächst in den Gaststätten fortge­setzt. Ende der fünfziger Jahre schloß die Gaststätte Eckert, etwa zehn Jahre später das Gasthaus Schwarzbeck. Es gab also keinen Wirt mehr, der die Kirchweih organi­sieren konnte. Nun taten sich die örtlichen Vereine (Freiwillige Feuerwehr, Gesang­verein „Sängerfreunde“, Sportverein ASV Weinzierlein-Wintersdorf und der Kleintier­zuchtverein) zusammen und starteten 1970 mit einer Zeltkirchweih. Dies blieb auch so, als Ende 1974 die Gaststätte „Zur Traube“ eröffnet wurde.

Seitdem gibt es am Kärwa-Freitag den Tag der Vereine. Dazu werden die Mit­glieder der Nachbarvereine erwartet. Geschlossene Formationen aus den anderen Orten wurden schon 1970 von der Kirchweihkapelle Opl aus Nürnberg (Egerländer Boum) am Ortseingang geholt und ins Bierzelt begleitet. Der Bürgermeister durfte das erste Faß Bier anstechen. Bis zur Eingemeindung war das Hermann Thummerer, ab 1978 Virgilio Röschlein, seit 1994 Gert Kohl.

Im Anfangsjahr reichte noch ein Zelt für 1.000 Personen. Der Andrang war jedoch so groß, daß man ab 1973 schon ein größeres Zelt für 2.000 Personen benötigte. Es wurde von der Zirndorfer Brauerei gestellt, denn schließlich trank man auch „das gute Zirndorfer“. Einige Jahre später ist man auf einen anderen Geschmack gekommen: es wurde Ammerndorfer Dorn-Bräu aus Holzfässern gezapft – und das schätzten viele Besucher. Dabei ist es bis jetzt geblieben.

Bereits ab dem ersten Kirchweitag war gute Stimmung Pflicht. Das lag möglicher­weise auch an der preiswerten Maß Bier. Im Jahre 1972 kostete sie noch 2,50 Mark. Im gleichen Jahr wurde über eine „Bombenstimmung“ berichtet. Die Besucher strömten vor allem wegen einer Damenblaskapelle aus Herzogenaurach in das Kirchweihzelt. Die Damen heizten den Besuchern kräftig ein und sorgten damit für einen guten Umsatz.

Der Samstag begann meist ruhig mit einer Werbeschau des Kleintierzuchtvereins. Vor allem Kaninchen und Geflügel wurden ausgestellt. Nachmittags versammelte man sich zum Aufstellen des Kirchweihbaums und sah den Ortsburschen bei der Arbeit zu. Seit 1987 stellen auch die Kinder ihren Baum auf und singen Kärwalieder.

Zu den Nachwuchs-Kärwaboum gehören auch Mädchen. Die Schausteller kamen mit Karussell, Schiffschaukel, Schießbude, Losbude, Süßigkeiten und anderen Angeboten. Besonders die Kinder wußten bei ihnen ihr Kärwageld anzulegen.

Am Sonntagvormittag war Gottesdienst im Zelt. Der Pfarrer kam aus Roßtal.  Während einiger Jahre gelang auch ein ökumenischer Gottesdienst. Der Sportverein organisierte nachmittags ein Freundschaftsspiel, dessen positives Ergebnis anschließend den Bierumsatz stei­gerte. Hatte der eigene Verein verloren, wurde der Kummer ertränkt. Bei einem Wettsägen konnten sich die Besucher im Jahre 1987 mit den Kärwaburschen mes­sen. Für Kinder wurde erstmals im selben Jahr ein Luftballon-Weitflug-Wettbewerb gestartet.

Der traditionelle Frühschoppen einer fränkischen Kirchweih war auch in Weinzierlein am Montagvormittag. Im zweiten Jahr der Zeltkirchweih wollte man bei einem Tau­ziehen zwischen Weinzierlein und Wintersdorf entscheiden, welcher Ort vom anderen eingemeindet wird. Schiedsrichter war Landrat Löffler. Die Sache ging je­doch unentschieden aus und blieb damit zunächst offen. Auch die Revanche bei der folgenden Kirchweih in Wintersdorf brachte nicht die erwünschte Entscheidung.

Der Altenklub Weinzierlein organisierte am Montag nachmittag ein Treffen mit anderen Klubs aus dem Landkreis. Auch dazu kam häufig prominenter Besuch. Der Betzentanz lebte erst 1982 wieder auf. Nachdem er ausgetanzt war, wurde der Betz verlost bzw. versteigert. Zum Ausklang wurde im Zelt nochmals (wie an allen anderen Tagen) zum Tanz aufgespielt oder ein Bunter Abend veranstaltet. Nur einmal (1970) wurde die Kirchweih bis zum Mittwoch verlängert. Nach längerer Ab­stinenz hatten die Weinzierleiner offensichtlich am Montagabend noch nicht genug. So mußten die Vereine und die Musik nach einem Tag Pause noch einen Abend dranhängen.